Designing Connected Products: UX for the Consumer Internet of Things

Auf knapp 700 Seiten schreiben die fünf Autoren über das Thema Design von Connected Products. Dabei werden diverse Themen, von technologischen Grundlagen, über Forschungsmethoden, bis hin zum Industrial Design von den Produkten aufgegriffen. Jedes Thema wird in Bezug zur User Experience gesetzt, so dass Implikationen und Herausforderungen für UX-Professionals deutlich werden. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Branchen werden diese veranschaulicht.

Bereits im Vorwort erwähnen die Autoren einen wichtigen und interessanten Aspekt: Der Begriff Internet of Things ist eigentlich ungeeignet, um das zu beschreiben was viele darunter verstehen. Erstens suggeriert er, dass es ein neues Internet gebe, was nicht stimmt. Stattdessen wird das bisherige Internet eben um diverse Produkte erweitert. Und Zweitens sagt der Begriff nichts über die Menschen aus, die das IoT, bzw. dessen Komponenten nutzen und einen bedeutenden Einfluss auf die Art und Weise der Interaktion mit diesen „things“ haben.

Aus pragmatischen Gründen gehen die Autoren nicht weiter auf diese Diskussion ein, sondern verweisen auf weiterführende Literatur. Sie bleiben bei dem Begriff IoT – und werde mich ihnen im Rahmen dieser Rezension anschließen.

Consumer Internet of Things?

Die Autoren beschränken sich explizit auf Produkte aus dem Consumer Internet of Things. Darunter fällt z. B. das Smart Home, in dem Komponenten wie beispielsweise ein Thermostat nun connected sind. Es wird betont, dass dies keinesfalls der einzige Anwendungsbereich ist, sondern sich die Inhalte des Buches auch auf Wearables, Medizinische Produkte, Connected Cars oder Urbane Komponenten (z. B. mietbare Fahrräder, Parkplätze etc.) beziehen lassen. Und dementsprechend integrieren die Autoren auch Beispiele aus all diesen Anwendungsbereichen.

Die Kapitel des Buches bauen nicht auf einander auf, so dass der Leser auch der Strategie: “dip in and out of the topics you need” folgen kann. Bei einem Buch, dessen Kapitel nicht aufeinander aufbauen stellt sich die Frage, wie doppelte Inhalte vermieden werden können. Die Autoren lösen das über viele Querverweise. Schneidet ein Kapitel ein Thema an, wird auf tiefergehende Informationen in teilweise mehrere andere Kapitel verwiesen. Dies kann unter Umständen den Lesefluss unterbrechen – mich hat es nicht gestört. Ich persönlich lese lieber über ein paar Querverweise, wenn ich dadurch den Vorteil habe, dass jedes Kapitel für sich verständlich ist.

Und inhaltlich?

Es hat einen Grund, warum das Buch aus fast 700 Seiten besteht. Es werden alle (oder zumindest sehr viele) Aspekte und Themen rund um Connected Products behandelt. Die Autoren gehen zum Beispiel auf technische Aspekte ein, zum Beispiel: die unterschiedlichen Netzwerk- bzw. Verbindungstypen zwischen den Geräten (NFC, Bluetooth, W-LAN etc.). Oder das der Systemarchitektur (Gibt es ein zentrales Gateway? Wie viel Service kommt aus der Cloud, wie viel lokal? usw.). Und ein letztes Beispiel: der Energiebedarf der Geräte.

Die – meiner Meinung nach – gut verständliche, technisch sicherlich nicht in die Tiefe gehende Erläuterung der wesentlichen technischen Grundlagen ist nicht der Grund, warum man dieses Buch lesen sollte. Lesenswert wird das Buch dadurch, dass bei jedem dieser Aspekte ein Bezug zum Thema Design und User Experience hergestellt wird. Welche Bedeutung hat die Wahl des Netzwerktyps für das Design des Interfaces? Welche Implikationen lassen sich aus dem Thema Energieverbrauch und -management ableiten? Genau diese Brücke zwischen technischen Aspekten und den Implikationen für das Design schlagen die Autoren – und machen das Buch sehr lesenswert.

Dasselbe gilt für die weiteren Themen des Buches. Die Autoren gehen auf die Produktstrategie, Businesspläne, Value Propositions, Datensicherheit, Industrial Design etc. ein und beziehen die Inhalte auf die Themen User Experience und (Interface-)Design. Ergänzt wird das durch anschauliche Beispiele aus verschiedenen Branchen sowie etwas ausführlicheren, gut zu lesenden Case Studies. Und natürlich gibt es auch gehaltvolle Kapitel, die sich „direkt“ mit den Themen Interfacedesign oder Forschungsmethoden beschäftigen.

Zusammengefasst zeigen die Autoren anhand diverser Aspekte auf, welche spezifischen Herausforderungen und Besonderheiten sich bei dem Design von Connected Products und deren Interfaces stellen.

Und wie sieht das optimale Connected Product nun aus?

Nachdem ich mich durch viele Seiten und Kapitel geblättert und gelesen habe stellte ich fest, dass die Autoren häufig die Herausforderungen, die sich ergeben, sehr gut und klar ableiten und darstellen. Um den Herausforderungen zu begegnen, werden oft „nur“ Denkanstöße, Alternativen oder mögliche Lösungswege dargestellt. Das mag manche Leser enttäuschen, denn die Frage „Wie sieht das optimale Connected Product/ der optimale Thermostat/ o.Ä. aus?“ wird nicht beantwortet.

Aber es wird erläutert, warum diese Frage nicht beantwortet werden kann (z. B. hängt die optimale Gestaltung eines Thermostats damit zusammen, welche weiteren Devices in das Smart Home eingeben werden sollen). Und liest man das Vorwort genau, wird man davon auch nicht überrascht:

„This book can’t tell you what to do. But we hope it will be able to define and solve your own design challenges.“

Meiner Meinung nach schafft das Buch genau das, worauf die Autoren hoffen. Ich persönlich kann einen großen Erkenntnisgewinn aus diesem Buch ziehen.

Portraitfoto: Xaver Bodendörfer

Xaver Bodendörfer

User Experience Consultant

eresult GmbH

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