Design Sprint, Design Thinking oder Product Discovery?

Welcher Design Workshop ist der richtige für mein Problem?

Design Thinking und Design Sprints? Beides dasselbe? Ist Product Discovery etwas anderes? Diese drei Ansätze haben allesamt gemein, dass sie die Nutzer ins Zentrum der Entwicklung stellen, aber sie unterscheiden sich von ihrer Zielsetzung und Herangehensweise fundamental. Ich möchte hier auf den Punkt bringen, wann genau welche Art von Workshop der für die Situation angemessene ist. Dabei spare ich mir im Detail auf die genauen Abläufe und eingesetzten Methoden einzugehen, da dies z. T. ganze Bücher füllt und jede Workshop Art ein Thema für sich ist.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Methoden Design Thinking, Product Discovery & Design Sprints | Quelle: eresult

Design Thinking

Unter Design Thinking stellen sich viele kreative Workshops vor, in denen man mit Knete und Lego Prototypen baut. Das kann zwar eine Form sein Design Thinking zu praktizieren, jedoch fehlt bei dieser Betrachtung der Grundgedanke: Design Thinking ist ein Prozessmodell und eine Vorgehensweise.

Design Thinking funktioniert besonders gut für sehr breite und komplexe Problemstellungen | Quelle: eresult

Die Idee dahinter ist es strikt zwischen Problemdefinition und Lösungsfindung zu trennen und in allen Phasen die Zielgruppe/Nutzer mit einzubeziehen. Und ganz wichtig: Das muss nicht zwangsläufig in Workshops praktiziert, sondern kann in einem Team als Vorgehensweise bzw. mindset über ein gesamtes Projekt hinweg eingesetzt werden. Es hat sich jedoch bewährt mindestens den Projektstart als Initialzündung in Form eines Design Thinking Workshops umzusetzen. Meine persönliche Erfahrung ist, dass Design Thinking Workshops zwischen zwei und fünf Tagen gut funktionieren und gute Ergebnisse liefern. Ein einzelner Tag als Workshop reicht in der Regel nicht aus, da hier sonst nur an der Oberfläche gekratzt werden kann.

Design Thinking funktioniert besonders gut für sehr breite und komplexe Problemstellungen, deren Lösungsansätze auf verschiedenste Art und Weise angegangen werden kann.

Beispiele für Problemstellungen, in denen Design Thinking perfekt passt:

  • Wie kann „Digitalisierung“ für uns als Orchester aussehen?
  • Wie können wir als Verkehrsunternehmen den Ticketverkauf angenehmer gestalten?
  • Wie können wir als Baumarkt unsere Produkte erlebbar machen auch wenn Kunden nicht bei uns vor Ort sind?

Design Sprint

Schauen wir uns den Ablauf von Design Sprints im Vergleich zu Design Thinking an. Ich höre häufig, „das ist doch dasselbe in grün“.

Schematischer Ablauf einer Design Sprint Woche | Quelle: eresult

Es sieht auch zunächst einmal sehr ähnlich aus (grün 😊). Zu Beginn wird das Problem definiert und eingegrenzt. Es wird ein Prototyp entwickelt und anschließend evaluiert. Ein riesiger Unterschied ist schon einmal, dass ein Design Sprint auf 4-5 Tage begrenzt ist. Zudem läuft jeder Design Sprint hinsichtlich der angewandten (Kreativ-)Methoden immer nach demselben Schema ab. Design Thinking Workshops hingegen können beliebig viele Tage dauern und auch die Wahl der Methoden weitaus vielfältiger und weniger festgelegt. Zudem ist der elementare Unterschied zwischen den beiden Ansätzen, dass ein Design Sprint typischerweise ein eindeutig definiertes Ziel hat.

  • Wir als Radiosender wollen eine neue App entwickeln
  • Wir als Anbieter von Elektrobauteilen wollen unsere Startseite überarbeiten
  • Wir als Onlineshop wollen einen Voice Skill entwickeln

Im Vergleich zu den o.g. Zielsetzungen von Design Thinking Workshops fällt ziemlich deutlich auf, dass das Endergebnis bei Design Sprints schon viel genauer bestimmt wurde. Design Thinking beschäftigt sich noch deutlich grundlegender und weiträumiger damit Bedürfnisse der Nutzer zu verstehen und Lösungen dafür zu entwickeln. Das Ergebnis kann theoretisch eine App, ein Telefonservice, ein Faltblatt oder etwas ganz anderes sein. Design Sprints hingegen legen schon den Rahmen und das Zielmedium fest. Hier ist also schon klar, dass eine App, eine Website oder ein Fahrkartenautomaten-Interface (weiter-)entwickelt werden soll.

Design Thinking und Design Sprints sind also weniger in Konkurrenz zu sehen. Vielmehr macht es Sinn die Ergebnisse aus Design Thinking Prozessen zu nehmen und sobald diese genug ausgereift sind, lässt sich in einem Design Sprint eine konkrete Idee intensiv weiterentwickeln.

Wie Sie Innovationsworkshops mit verteilten Teams durchführen und wie Sie die Vorteile von Remote Design Sprints voll ausschöpfen erfahren Sie hier.

Product Discovery

Zu guter Letzt haben wir dann noch die Product Discovery, die gerne in einen Topf mit Design Thinking und Design Sprints geworfen wird. Bei der Product Discovery geht es um die Entwicklung eines ganzen Produktes oder eines Services, weniger aber um einzelne Features. Hinter Product Discovery steht das „Dual Track Development“, also die Aufteilung der Produktentwicklung in die Stränge „Discovery“ und „Delivery“. Im Delivery Track werden Produkte entwickelt und ausgeliefert, während im Discovery Track die vielversprechendsten Produktideen entdeckt werden sollen.

„Discovery“ und „Delivery“ laufen parallel zueiander ab | Quelle: eresult

Wichtig: Beides findet nebeneinander und nicht nacheinander statt. Die Discovery setzt auf Tiefeninterviews mit Nutzern, Benchmarks und iteratives Testen von Prototypen. Es gilt in Sprints herauszufinden, ob es am Markt überhaupt einen Bedarf gibt. Das Ergebnis sind die Anforderungen für ein MVP (Minimal Viable Product), um mit möglichst wenigen Features einen maximalen Gewinn für die Endanwender zu generieren. Product Discovery legt keine genaue Agenda für jeden Tag oder eine Gesamtdauer fest. So können Sprints auch mehrere Wochen dauern, wenn die Teammitglieder nur wenige Stunden am Tag entbehren können. Das individuelle Tagesgeschäft wird in einem Product Discovery Sprint mit bedacht und die Mitarbeiter haben trotzdem die Möglichkeit die Product Roadmap agil im Team zu bearbeiten.

Fazit

Zusammenfassend und auf den Punkt würde ich die drei beschriebenen Workshop Ansätze wie folgt benennen:

  1. Design Thinking: Unbekannte, komplexe Probleme explorieren und dafür Lösungsansätze entwickeln
  2. Design Sprint: Konkret definierte Probleme innerhalb einer Arbeitswoche lösen
  3. Product Discovery: Agiles Arbeitsmodell & Framework im Arbeitsalltag

Wer den richtigen Ansatz für sich selbst sucht, sollte sich also vor Allem folgende Fragen stellen:

  • Wie viel weiß ich schon über das Problem?
  • Kann ich den Lösungsansatz schon genauer benennen? (z. B. „Wir brauchen eine neue App“)
  • Möchte ich in besonders kurzer Zeit valide Ergebnisse oder suche ich eine Methode, die ich langfristig in meine bestehenden Abläufe integrieren kann?

Wenn diese Fragen diskutiert werden, ist der Schritt hin zum passenden Workshop ein ganzes Stück näher gerückt.


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Portraitfoto: Richard Bretschneider

Richard Bretschneider

Principal User Experience Consultant

eresult GmbH

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