Digitalisierung… Da brauche ich doch nur ´nen Programmierer?

Vor einiger Zeit war digitale Transformation eher ein Nischenthema in Branchenblättern und Wirtschaftszeitungen. Oder es wurde mahnend der Zeigefingerfinger gehoben und nebulös erklärt, man habe in Deutschland die Digitalisierung verpennt.

Corona als Dosenöffner:

Auch wenn man es nicht mehr hören kann, Corona hat die Welt verändert: Nicht nur das Leben jedes einzelnen, sondern auch die Wirtschaft insgesamt. Aber wem sag ich das? Nun, eins ist auf jeden Fall klar: Die Pandemie hat klar gemacht, dass die Verlegung ins Digitale funktioniert bzw. funktionieren muss. Sei es der Chef, der (endlich) erkannt hat, dass Angestellte auch im Home-Office Leistung bringen können, der Online-Handel oder auch die (digitale) Verwaltung, um nur einige zu nennen.
Und plötzlich wird auch an vielen Stellen – auch in der breiten Öffentlichkeit – deutlich: Die Digitalisierung in Deutschland wurde vielleicht doch irgendwie verpennt. Aber, lieber später aufwachen als nie.

Digitalisierung? Ja, aber richtig!

Wie sollte die Digitalisierung jetzt nun angegangen werden?
An vielen Stellen wird leider immer noch so gedacht:
„Digitalisierung? Da digitalisiere ich einfach meinen analogen Prozess. Was brauch ich dafür? IT-Spezialisten! Und schon bin ich digital!“

Ich antworte darauf mit den Worten des ehemaligen Télefonica Chefs Thorsten Dirks „Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess“. Diese Wortwahl von 2015 mag zwar etwas rabiat sein, aber sie trifft den Kern: Digitalisierung oder digitale Transformation darf nicht die 1zu1-Übersetzung von analogen Prozessen in Code sein. Vielmehr ist Digitalisierung die Chance Prozesse neu und besser zu durchdenken, um dadurch wirklich Mehrwerte für die Benutzer zu schaffen. Also das „Ur-Ziel“ des Human-Centered Designs zu erreichen.

Was ist zu tun?

Aber wie erreicht man es, dass die Digitalisierung wirklich auch eine Verbesserung bewirkt und nicht nur ein Buzzword ist, dass durchs Dorf getrieben wird?

Da hilft es durchaus mal einen Blick in das Diskussionspapier des Bikoms „Digitalisierung erfordert Haltung“ zu werfen. Dabei wird richtigerweise erkannt, dass Mehrwerte für den Nutzer bei der digitalen Transformation immer im Zentrum stehen sollten. Dabei ist es von besonderer Wichtigkeit den Nutzer miteinzubeziehen, denn „die Vorgehensweise bei der Entwicklung digitaler Lösungen [macht] einen entscheidenden Erfolgsfaktor [aus], damit Lösungen schlussendlich auch akzeptiert, verbreitet und wirksam werden.“ (Bitkom)

Im Sinne der UX greift das Diskussionspapier einen weiteren wichtigen Aspekt auf: Das Investment in das richtige Know-How. Und natürlich zählen dazu auch Entwickler und It-Spezialisten, aber nicht nur die. Schließlich beschäftigt man, wenn man ein Haus bauen will, nicht nur die Handwerker, sondern hat auch einen Architekten. Den Bewohner hat man auch vorher gefragt, wie sein Haus eigentlich aussehen soll. Übertragen auf die Digitalisierung bedeutet das, dass man für eine gelungene Transformation diverse Expertisen und Personen benötigt. Denn Digitalisierung kann ein komplexes Unterfangen sein, wenn Prozesse, Problemstellungen und die entsprechenden Lösungen komplett neu gedacht werden müssen.   

Zusammenfassend kann man sagen: Es ist Zeit die Digitalisierung in Angriff zu nehmen, aber nicht übers Knie zu brechen. Ziel darf nicht Digitalisierung um jeden Preis zu sein, sondern die Mehrwerte für den Nutzer im Fokus zu haben. Dazu braucht es die richtige, für die eigene Unternehmung passende, nutzerzentrierte Vorgehensweise und die notwendige Expertise.


Beitragsbild:

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Portraitfoto: Joanna Oeding

Joanna Oeding

Senior User Experience Consultant

eresult GmbH

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