Der Tod der Sitemap

Sitemap TeaserbildDie Sitemap ist ein fast unverzichtbares Instrument der Website-Konzeption. Und gleichzeitig sind Sitemaps vom Aussterben bedroht. Wie das zusammengeht? Das liegt daran, dass die Sitemap ein abstraktes Konzept abbildet: die Struktur einer Website. Und diese Abbildung ist für jeden, der eine Site plant, ein wichtiges Arbeitsmittel. Für denjenigen, der die Site am Ende nutzt, spielt sie aber eine untergeordnete Rolle – und wenn es nicht so ist, dann stimmt etwas nicht.

 

Sitemaps in der Konzeption

Die Informations-Architektur ist eine der zentralen Aufgaben jedes Konzepters und UX-Experten, wenn er einen Internetauftritt plant. Die Sitemap ist die Antwort auf die Frage, welche Informationen man wo auf der Site unterbringt.

Und das beste Instrument, diese Struktur zu erstellen, ist immer noch für fast alle Websites die Sitemap.

Sitemap-Beispiel

Eine Sitemap für eine typische Site für kleine und mittelständische Unternehmen.

Sitemaps aus Benutzersicht

Für den Nutzer ist die Sitemap dagegen von untergeordneter Bedeutung. Geht man davon aus, dass der Besucher auf eine Website kommt, um eine bestimmte Aufgabe dort zu erledigen, dann interessiert er sich für die Struktur der Site erstmal gar nicht. Wer zum Beispiel eine Skibrille kaufen möchte, der will möglichst direkt zu dem Bereich, auf dem eben Skibrillen angeboten werden.

Unser Beispielbesucher kommt also auf die Startseite eines Online-Shops für Sportartikel auf der Suche nach einer Skibrille und nimmt einen dieser möglichen Wege:

  • Er sieht die Abbildung einer Skibrille und klickt.
  • Er gibt „Skibrille“ in die Suchmaske ein.
  • Er nutzt die Navigation, um in die entsprechende Kategorie zu gelangen.
  • Er geht über die Navigation zu einem bestimmten Hersteller von Skibrillen.

Es gibt noch einige weitere Wege, aber das sind die gebräuchlichsten. Nur wenn einer dieser Wege nicht zum Ziel führt, wird er den Link „Sitemap“ anklicken – wenn er ihn überhaupt findet.

Warum wird die Sitemap von den meisten Nutzern nicht verwendet?

Zum einen wissen weniger erfahrene Nutzer überhaupt nicht, was eine Sitemap ist. Und etwas erfahrenere Nutzer wissen, dass sie meist über einen der anderen Wege schneller zum Ziel kommen.

Die Sitemap breitet zwar eine vollständige Karte der Site vor dem Nutzer aus, aber wie eine Landkarte ist sie komplex und erfordert gewissen kognitiven Aufwand, sie richtig zu lesen.

Eine Karte nutzt auch im Auto heute noch kaum jemand. Die meisten verwenden ein Navi oder fahren einfach darauf los – das ist einfach bequemer und führt schneller zum Ziel.

Daher findet man in Konzepter-Kreisen heute vielfach die Auffassung, dass die Darstellung der Sitemap auf der Website überflüssig ist. Die Navigation und die Suche müssen funktionieren, dann braucht die Sitemap niemand.

Inzwischen kann ich mich dieser Meinung anschließen – auch wenn ich persönlich das schade finde. Aber das ist wohl nur der Informations-Architekt in mir, der bei eigenen Sites stolz präsentieren will, wie gut alle Inhalte sortiert sind und wie umfangreich die Site ist. Und auf fremden Sites finde ich es interessant, auf einen Blick zu sehen, was die Site alles bietet.

Früher hatten viele Sites keine ordentliche Suchfunktion und auch eine Eingrenzung der gefundenen Ergebnisse mit Facetten o.Ä. war noch nicht möglich. Damals war eine Sitemap daher extrem nützlich.

Mobile passt nicht zu Sitemaps

Auf den kleinen Bildschirmen von Smartphones funktionieren Sitemaps generell kaum. Es passen so wenige Links auf einmal darauf, dass das nur bei sehr kleinen Sites funktioniert. Und die brauchen eigentlich keine Sitemap.

Welche Alternativen zu Sitemaps gibt es?

Orientierung geben und einen Überblick der Inhalte verschaffen muss man also heute anders. Schon erwähnt habe ich Suche und Navigation. Aber es gibt noch weitere Elemente, die dem Nutzer ein Bild davon vermitteln, was die Site bietet.

Popup-Navigation

Die Navigation komplexer Sites übernimmt heute einen Teil der Aufgabe der Sitemaps von früher. Manch ein einziger Aufklapp-Eintrag ist so groß, wie früher die ganze Sitemap.

Navigation auf sport-schuster.de

Bei sport-schuster.de gibt die Navigation gleichzeitig einen Überblick darüber, welche Unterbereiche es auf der Site gibt.

Teaser-Kästen/Diashows

Gute gemachte Teaser-Bereiche, Slider oder Diashows (dezent animiert) präsentieren dem Besucher die verschiedenen Inhalte der Site. Das ist gerade bei Einkaufsites wichtig, um neuen Besuchern eine Vorstellung davon zu geben, welche Produkte man alle hier finden kann.

Footer

Der Seitenfuß lässt sich effizient nutzen, um Verweise auf andere Bereiche der Site zu geben. Denn wer bis hierhin gekommen ist, hat entweder auf der Seite noch nicht gefunden, was er sucht, oder ihm hat der Inhalt so gut gefallen, dass er bis ganz zum Seitenende gelesen hat.

Daher verwenden einige Sites den Fußteil, um Mini-Sitemaps und Links zu anderen Bereichen unterzubringen. Siehe dazu auch den Beitrag Fat Footer – den Fußteil der Seite effektiv nutzen.

Fußteil Website Adidas

Auf Adidas.de zeigt der Fußteil, welche Bereiche es auf der Site gibt. Also eigentlich eine Sitemap, die nur die wichtigsten Seiten zeigt.

Teil-Sitemaps & Übersichten

Auf den Seiten in tieferen Ebenen, z.B. Kategorie-Übersichtsseiten, bietet es sich an, dem Besucher einen Überblick zu geben, welche Bereiche in den folgenden tieferen Ebenen liegen.

Das kann in Form von Textlinks sein, es können aber auch Produktabbildungen o.Ä. verwendet werden.

Kategorien-Seite auf sport-schuster.de

Hier verwendet sport-schuster.de Icons, um die Kategorien in diesem Bereich vorzustellen.

Suchmaschinenoptimierung mit Sitemaps

Suchmaschinen verfolgen Links nur bis zu einer gewissen Tiefe. Damit auch alle die Seiten im Index landen, die in tieferen Ebenen liegen, ist es sinnvoll, Suchmaschinen eine Sitemap anzubieten.

Allerdings muss diese heutzutage nicht mehr sichtbar für den Benutzer sein. Man kann die Sitemap als eigene Datei „sitemap.xml“ im Wurzelverzeichnis des Servers ablegen – darauf greifen Google & Co dann direkt zu.

Sitemaps in der Konzeption

Auch als Werkzeug bei der Konzeption ist die Sitemap in Bedrängnis:

Monster-Sites

Sehr große Sites vom Umfang von Wikipedia oder IBM.com sind viel zu groß, als dass sie eine Sitemap so abbilden könnte, dass sie ihrer Aufgabe gerecht wird, einen Überblick der Site zu geben.

Wikipedia-Sitemap

Die englische Wikipedia hat noch eine Sitemap. Ganz interessant, aber viel zu lang, um wirklich benutzbar zu sein.

Komplexe, große Sites wie die von Spiegel online oder große Shops lassen sich nicht sinnvoll mit einer Sitemap darstellen – zumindest nicht als Ganzes.

Sites, die sich vor allem durch Interaktivität auszeichnen wie Twitter oder Google Documents lassen sich in Sitemaps praktisch gar nicht darstellen.

Hier muss man andere Wege suchen, solche Sites zu konzipieren – dazu in einem späteren Beitrag hier im Blog bei Gelegenheit mehr.

Ein-Seiten Sites und endless Scrolling

Auch für Sites, die nur aus einer einzigen, oft recht langen Seite bestehen (Beispiele siehe Ein-Seiten-Sites), lässt sich natürlich keine traditionelle Sitemap erstellen. Man kann allerdings eine Sitemap für die einzelnen Abschnitte dieser Seite anlegen – aber richtig passt das eigentlich nicht.

Diese Seiten/Sites haben meist nur wenig Inhalt, dadurch ist die Sitemap hier als Werkzeug nicht ganz so wichtig.

Recht viel Inhalt haben dagegen Seiten, die endlos scrollen („endless scrolling“). Am bekanntesten sind die Seiten des Bilderdienstes Pinterest oder die Chronik von Facebook: Diese laden immer wieder Inhalte nach, wenn der Nutzer das Ende der Seite erreicht hat. Sie haben also erst dann ein Ende, wenn sich in der Datenbank des Content Management Systems keine weiteren Inhalte finden.

 

Was meinen Sie? Gehören Sie wie ich zu denjenigen, die Sitemaps im Web eigentlich mögen? Oder haben Sie noch bessere Alternativen?

5 Gedanken zu „Der Tod der Sitemap

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