How to become a good ux designer (?)

Sind Sie ein UX Designer? Und wenn ja: wissen Sie, wie man ein guter UX Designer werden kann? Gibt es eine Geheimformel? Ein leuchtender Topf goldenen Wissens am Ende des Regenbogens? Nun, zumindest mit einigen dieser Fragestellungen beschäftigen wir uns seit längerem ausgiebig. In diesem Beitrag zeigen wir auf, welche Herausforderungen zum Thema UX Design für Unternehmen und Designer aktuell bestehen und was wir am Ende gefunden haben.

Google-Suche, wie man ein guter UX Designer wird

Wie wird man ein guter UX Designer? Fragt man Google, gibt es sehr viele unterschiedliche Antworten

„How to become a good ux designer?“ Well… Begibt man sich in die Weiten des Internets, spuckt Google bis zu 5.6 Mio Einträge mit einem Potpourri unterschiedlichster Job-Bezeichnungen aus: UX Designer, Interaction Designer, Interface Designer, UX Researcher, UX Manager, UX Architect. Dabei erhielten wir zwar nicht die erwartete Erleuchtung, aber eine Erkenntnis: Als recht junges Berufsfeld existiert zu User Experience Design kein wirklich einheitliches Berufsbild, das von irgendeiner bedeutenden Institution „zusammengeschnürt wurde“.

„Traditional User Experience is at a crosshrads“ warnt Jim Nieters von UXmatters in einem Artikel. Ebenso wie sich traditionelle User Experience an einem Scheideweg befindet, wandeln sich die Unternehmen wie UX-Agenturen, welche dieses Gut in ihrer Dienstleistung vertreten. Neben dem „klassischen Researcher“ stellen sie Mitarbeiter ein, die primär oder zusätzlich eine Designausbildung genossen haben. Was viele UX-Agenturen erkannt haben, ist, dass es mit dem klassischen Fokus „only Research“ zunehmend schwieriger wird, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. So wurde das UX Design und die Rolle des Designers als neue Möglichkeit entdeckt, diese Unterscheidung wiederherzustellen: Konzeption und Gestaltung werden zu einer notwendigen und begehrten Kompetenz, die das Überleben am umkämpften Agenturmarkt sichern kann. Es geht nicht mehr allein darum, Usability-Studien durchzuführen, um Verbesserungspotentiale an Schnittstellen aufzudecken. Stattdessen wollen wir auch differenzierte und inspirierende Designs entwickeln, die den Kunden begeistern und den Nutzer glücklich machen.

Eine generelle Hürde besteht in der höchst unterschiedlichen Rollendefinition des Berufsbildes des UX Designers. Hinzu kommt der Schwerpunkt des Unternehmens: Arbeitet der UX Designer in einer Agentur, die im Consulting-Geschäft tätig ist oder betreut er in einem IT-Unternehmen ein eigenes Produkt, das primär an der Verbesserung und Neuentwicklung des eigenen Produktportfolios interessiert ist?

Unternehmen wissen meist nicht, welche Fähigkeiten und Eigenschaften ein UX Designer haben sollte, um den Aufgaben, die an sie herangetragen werden, gerecht zu werden. Am besten sollte er natürlich alles beherrschen und Erfahrung in jedem Bereich des UCD-Prozesses besitzen.

Ein Blick in das Curriculum des UXQB (Usability and User Experiencene Qualification Board) und der ISO 9241-201 zeigt schnell, dass die Rolle des UX Desingers so nicht existiert. Stattdessen wird zwischen Rollen unterschieden, welche die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten entlang des User Centered Design Prozesses abdecken.

  • Usability Engineer
  • User Requirements
  • Usability-Tester
  • Informationsarchitekt
  • Interaktionsdesigner
  • User Interface Designer
Rollen und Verantwortlichkeiten des UXQB zur Erlangung des CPUX-F

Rollen & Verantwortlichkeiten aus dem Curriculum des UXQB zur Erlangung des CPUX-F-Zertifikats (Quelle: UXQB)

Wie in der oberen Grafik zu sehen ist, erfüllt jede Rolle bestimmte Aufgaben, die – in einer idealen Welt – die Usability und damit die User Experience eines Produktes oder Services mit ihrem Spezialwissen zu optimieren versteht. Dabei ist jeder Fachmann in seiner Rolle, wobei sich die Rollen wiederum gegenseitig ergänzen.

Elemente der User Experience

Darstellung aus „The Elements of User Experience“ von Jesse James Garrett

Jesse James präsentiert in seinem Schaubild die Elemente der User Experience speziell bezogen auf das Web Design. Obwohl diese Darstellung schon über 16 Jahre alt ist, besitzt sie immer noch gegenwärtige Relevanz in Bezug auf die Rolle des UX Designers sowie das Zusammenspiel mit anderen Elementen im User Centered Design Process. Gut zu erkennen ist, dass das visuelle Design aus den darunterliegenden Elementen besteht bzw. von ihnen abhängig ist. Gleichzeitig beschreibt es die Eigenschaft, dass gutes Design unsichtbar ist. Gutes visuelles Design funktioniert in der Einheit mit Nutzerbedürfnissen, inhaltlichen und funktionalen Spezifikationen, der Informationsarchitektur und dem Interaktionsdesign. James merkt jedoch einschränkend an, dass es sich bei der Darstellung nicht um eine Vorlage für Rollen bzw. einen Entwicklungsprozess handelt. Vielmehr versucht James mithilfe der Darstellung die Schlüsselprinzipien und Vorüberlegungen zu definieren, welche in den Entwicklungsprozess einfließen sollten.

Die Realität sieht jedoch immer etwas anders aus als sie im Lehrbuch steht. Unternehmen beschäftigen selten mehrere Angestellte für den UX-Bereich, die so differenziert Aufgaben der jeweiligen Rolle übernehmen, wie sie oben beschrieben sind. Zudem sind dezidierte UX-Abteilungen in Unternehmen eher noch die Seltenheit und bestehen häufig aus einem UX-Einzelkämpfer.

Unternehmen suchen häufig Generalisten, die zudem Spezialisten in mehreren Bereichen sind. Klingt zunächst nach einem Widerspruch? Dieser wird jedoch häufig so gelebt. Gerade dort, wo nach agilen Vorgehensmodellen (z. B. Lean UX, Agile) gearbeitet wird, übernehmen meist wenige Mitarbeiter mehrere Spezialgebiete, da Abstimmungsphasen, Zeit etc. kurz gesetzt sind.

ux design bei eresult

UX Design bei eresult ist anders

Verbesserungspotential liegt genau an diesem Punkt: Dem UX Design-Bereich mangelt es an der Kommunikation und Anerkennung von Abgrenzungen zwischen den Verantwortlichkeiten. Das können diejenigen (inklusive mir) besonders gut nachfühlen, die z. B. Kommunikationsdesign studiert haben und bereits gefragt wurden: „Kannst du nicht mal schnell etwas in Photoshop…?!“.

Wird heutzutage nach einem UX Designer gesucht, soll er schlimmstenfalls alle Aufgaben übernehmen, die mit den oben genannten Rollen verbunden sind. Eigentlich eine sehr anspruchsvolle Erwartung bei einem so interdisziplinären Feld.

Aus meiner Sicht muss sich das Unternehmen entscheiden, ob es sich die Vorteile dezidierter Spezialisten leistet. Die Rolle des UX Designers, wie sie durch viele Unternehmen momentan gelebt wird, kann als eine Kompromissrolle verstanden werden, in welcher der Angestellte viele Spezialisierungen erfüllen und gleichzeitig Generalist sein soll. Ist daher die „eierlegende Wollmilchsau“ mit „gefährlichem Halbwissen“ die bessere Lösung?

Doch wie wird man nun ein guter UX Designer?

Den goldenen Weg zu finden, bleibt eine schwierige Aufgabe, insbesondere für zukünftige und aktuelle UX Designer. Man sollte sich jedoch der Rolle und Aufgabe wiederfinden und wohlfühlen können, die einem zugewiesen wurde.

Nachfolgend stellen wir einige Artikel vor, welche die UX Designer-Rolle treffend beschreiben.

-> Lo Min Ming von fastcodesign beschreibt in seinem Artikel „UI, UX: Who Does What? A Designer’s Guide To The Tech Industry“ die Rolle des UX Designers recht differenziert. Deutlich wird hier der Schwerpunkt auf dem Interaktionsdesign und die starke Kommunikationsfähigkeit, die benötigt wird, um sich sowohl Teamintern als auch mit Stakeholder zu verständigen und durchzusetzen.

„UX designers are primarily concerned with how the product feels. […] „[They] Define interaction models, user task flows, and UI specifications. Communicate scenarios, end-to-end experiences, interaction models, and screen designs to stakeholders. Work with our creative director and visual designers to incorporate the visual identity of Twitter into features. Develop and maintain design wireframes, mockups, and specifications as needed. “

Neben der Rolle des UX Designers werden weitere Differenzierungen erwähnt, wie der UI Designer, Visual Designer, Interaction Designer, UX Researcher, Product Designer. Dabei schaffen sie die nötige Diversität, welche eierlegende Wollmilchsäue zwar nicht verhindern, aber minimieren.

-> Warren Groce von UX matters empfiehlt in seinem Artikel: „Advice for New UX Designers“ denjenigen unter anderem nicht dem Anspruch zu erliegen, alles können zu müssen: „Creating a user experience encompasses many disciplines …. Don’t feel like you need to know everything right away. Just start somewhere.”

Emil Lamprecht von CareerFoundry erklärt dann noch einmal schön den Unterschied zwischen UX und UI Design.

Bildung zum (besseren) UX Designer

Die meisten Angebote bieten Fortbildungen in bestimmten Rollen wie z. B. zum Usability Engineer oder Interaction Designer. Weiterbildungen zu finden, die sich an der „Kompromiss-Rolle“ des UX Designers orientieren sind daher nicht einfach zu finden.

Die Möglichkeiten, sich ein breites Skillset anzueignen, sind jedoch je nach Aufgabengebiet des UX Designers vielfältig. Hier nennen wir beispielhaft einige, mit denen sich besonders gut Ideation-Techniken erlernen lassen, die wir für notwendig erachten:

  • Hasso Plattner Institut – School of Design Thinking: Eines der bekanntesten Institutionen, wenn es um die Methode „Design Thining“ geht: Es werden Workshops und Kurse sowohl für Einzelteilnehmer als auch Organisationen angeboten.
  • PAGE Seminare – Das Magazin der Kreativbranche bietet wechselnd spannende Workshops an, in denen man sein Skillset verbessern und erweitern kann. Neben Methoden-Workshops zu Design Thinking, Agilen Methoden oder der Gestaltung von Infografiken deckt PAGE ein recht breites Spektrum ab.
  • Ebenso breit aufgestellt ist die Usability Academy. Hier werden Seminare und Workshops zum Thema Interaktionsdesign, Entwicklung von Storyboards, Wireframe-Gestaltung etc. angeboten. Voraussetzung für die Teilnahme kann jedoch der Nachweis von UX-Wissen z. B. durch das CPUX-F-Zertifikat sein.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch die Möglichkeit, sich durch Literatur weiterzubilden. Einen guten Überblick liefern die eBooks von UXPin: So z. B. „UX Design Process Best Practices: Documentation for Driving Design Forward“. Das eBook eignet sich gut, für einen Einstieg in die Materie. Es werden Best Practice-Methoden vom Design Thinking bis zum Umgang mit Design Sprints beschrieben. Darüber hinaus liefert das Buch einen Überblick über verschiedene Deliverables im Design-Prozess.

Jesse James Garrets gibt mit seinem Buch The Elements of User Experience ebenso die Möglichkeit, sich einen Überblick über das Thema User Experience und die damit verbundenen Elemente, den so genannten „five planes: surface skeleton, structure, scope, strategy“, zu verschaffen.

Ein Klassiker, den jeder UX Designer gelesen haben sollte, widmet sich dem Interaktionsdesign: „Designing for Interaction: Creating Innovative Applications and Devices“ von Dan Saffer. Es setzt sich insbesondere mit multimodalen Interaktionsmöglichkeiten wie der Gestensteuerung auseinander. Dan Saffer beschäftigte sich auch mit dem Thema „Microinteractions“ und veröffentlichte seine Erkenntnisse zu diesem Thema in seinem gleichnamigen Buch.

Welche Literatur empfehlen Sie?

Wie sehen Sie die Rolle des UX Designers? Haben Sie ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht? Welche Bildungsangebote halten Sie für wertvoll, um sich als UX Designer weiter zu profilieren? Ich bin gespannt auf Ihre Ideen.

Portraitfoto: Paul Pagel

Paul Pagel

User Experience Consultant

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 7

Ein Kommentar

  • Ein Grundproblem beim „UX Design(er)“ und der mit dem Begriff verbundenen Erwartungshaltung ist m.E.n. immer und immer wieder, dass „Design“ im englischsprachigen Raum eine andere Bedeutung („Konzeption“) hat als im deutschsprachigen („Gestaltung“). Des Weiteren die immer noch nicht eindeutige Definition was „User Experience“ überhaupt heißt. Das finde ich hier auch sehr schön wiedergegeben, das UX „streng“ genommen nicht von einem alleine zu bewältigen ist, da müssen einfach viele Gewerke (Gestaltung, Informatik etc.) und Wissenschaften (Arbeits- und Organisationspsychologie, Motivationspsychologie, Allgemeine Psychologie, Statistik etc.) reibungslos Hand in Hand gehen. Unterm Strich erlebe ich daher immer wieder Irritationen was von einem UX Designer zu erwarten ist (sein sollte).

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