Qualitatives und quantitatives Testing – das User Centered Design-Traumpaar

Die Frage nach dem richtigen Test ist eine Frage die sowohl Agenturen als auch Unternehmen beschäftigt. Die Auswahl ist quasi unendlich.

Stöbert man im allwissenden Internet nach „User Centered Design Methoden“ oder „User Experience Methoden“ erhält man tausende von Ergebnissen – verwendet man dann noch die englischen Suchbegriffe, schießen die Suchergebnisse schnell in den Millionen-Bereich.

Die Frage nach der richtigen Methode für Ihre Fragestellung lässt sich ohne eine genaue Analyse natürlich nicht beantworten. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile, muss korrekt eingesetzt und analysiert werden.

Es gibt jedoch zwei sehr wichtige Merkmale im Methoden-Dschungel. Die Testmethoden unterscheiden sich in qualitative und quantitative Methoden (natürlich könnten wir hier auch auf empirische und heuristische Verfahren eingehen, das soll aber nicht das Thema dieses Artikels sein).
Auch mit diesen Merkmalen lässt sich die Frage nach der richtigen Methode nicht direkt beantworten. Lassen Sie mich schon so viel verraten – erst durch die Kombination können die Methoden ihr wahres Potential ausspielen.

Qualitative Testmethoden

Der bekannteste Vertreter der qualitativen Methoden ist wahrscheinlich das „Uselab“. Im Testlabor wird Probanden aus der Zielgruppe eine Aufgabe gestellt, die das natürliche Szenario der Nutzung des Produkts abbildet. Schon eine geringe Anzahl an Probanden führt zur Feststellung von über 75 % – testet man mit mehr Probanden, werden sich aufgetretene Usability-Probleme wiederholen.

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Quelle: http://www.nngroup.com/articles/why-you-only-need-to-test-with-5-users/


Natürlich muss man darauf achten, dass sich die Probandenzahl auf eine Zielgruppe bezieht. Möchte man mehrere Zielgruppen testen, muss die Probandenanzahl angepasst werden.

Weitere bekannte Vertreter des qualitativen Testings sind Fokusgruppengespräche, Expertenevaluationen, Nutzerinterviews oder ein Card Sorting.

Auf die einzelnen Methoden soll jetzt nicht im Detail eingegangen werden. Im Kontext dieses Artikels interessiert uns viel mehr die Frage nach dem Ergebnis dieser Methoden.

Am Ende eines jeden Tests werden wir Handlungsempfehlungen erhalten und stehen der entscheidenden Frage gegenüber: Was machen wir damit?

Ergebnisse, Handlungsempfehlungen und die Frage nach den nächsten Schritten

Als Ergebnis für ein Uselab erhält man normalerweise eine Präsentation, in der aufgeführt wird, welche Usability-Probleme aufgetreten sind. Der ein oder andere Proband hat auch seinen Geschmack zum Ausdruck gebracht: „Den Button würde ich größer machen…“ – was jedoch auf keinen Fall fehlinterpretiert werden darf. Ein Uselab liefert Usability-Probleme, Knackpunkte/Probleme in der User Journey und in der Bedienung eines Systems/Produkts. Äußert ein Proband seine Meinung zu einer Farbe, ist dies kein Usability-Problem – das Problem könnte jedoch sein, dass ein wichtiger Button nicht gesehen wird.

Wurden solche Probleme gefunden, stellt sich natürlich die Frage was man tun kann oder muss, um das Problem zu beheben. Ein weiteres Ergebnis neben den aufgedeckten Problemen in einem Uselab sind die Handlungsempfehlungen, die von einem UX-Experten formuliert werden.

Aus meiner Sicht müssen Handlungsempfehlungen als Varianten verstanden werden. Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie zur Lösung eines Interface-Problems nur eine Variante zur Auswahl hatten? Mir nicht. Und das ist der entscheidende Punkt.

Zur Lösung eines Problems gibt es viele Wege. Welche Lösung die richtige ist hängt von den Anforderungen, der Zielgruppe, den Erfahrungen, usw. ab. User Centered Design hat uns gelehrt, dass man Lösungen gemeinsam mit den Nutzern testet, überprüft was am besten funktioniert.

An dieser Stelle kommt das quantitative Testing ins Spiel.

Quantitative Testmethoden

Das quantitative Testing hat ebenfalls einen bekannten Vertreter – er hört auf den Namen „A/B-Testing“. Diese Methode erfreut sich aktuell großer Beliebtheit. Aus meiner Sicht absolut zu Recht. Um die Vorteile des A/B- und Multivariaten Testing zu erklären, verwende ich gerne die Metapher einer Weggabelung im Wald. Woher weiß man, welcher Weg der bessere oder schönere ist, wenn man vor einer Weggabelung steht? Man muss beide Wege gehen und das am besten gleichzeitig unter identischen Bedingungen.

Wie finde ich also heraus welche Handlungsempfehlung die richtige für meine Zielgruppe ist? Natürlich hat die Expertenmeinung hier einen sehr großen Stellenwert und je besser Sie ihre Zielgruppe und das Produkt/System kennen, desto besser werden Sie sich für eine Empfehlung entscheiden können. Trotzdem bleibt ein Restrisiko nicht die beste Variante ausgewählt zu haben, wenn nicht sogar die Variante die am Ende zu einem Downlift führt.

Natürlich ließen sich unter der Überschrift des quantitativen Testing noch weitere Methoden aufführen, um jedoch die Handlungsempfehlungen die ein qualitativer Test liefert zu überprüfen, ist aus meiner Sicht das A/B- und Multivariate Testing am besten geeignet.

Ein Bündnis für eine gute User Experience

Die Kombination aus qualitativen Test als Grundlage für quantitative Test als Prüfungs-Instrument ist aus meiner Sicht das ideale Bündnis, um ein Produkt/System zu optimieren.

Beide Tests funktionieren auch ohne den jeweiligen Partner, verlieren so jedoch an Effizienz. Tests müssen aufeinander aufbauen, um ihr volles Potential zu zeigen. Fragestellung müssen entwickelt werden und sollten nicht aus einer Laune heraus entstehen.

Aufbau UCD

Bei der Arbeit an einem Produkt/System werden Sie schon oft festgestellt haben, dass es immer etwas zu optimieren gibt. Lässt man eine andere Person auf das Konzept schauen als in den Wochen zuvor, gibt es komplett neuen Input. Jeder von uns hat eine andere Meinung, so sehr diese auch von Heuristiken geprägt sein mag. Nutzen Sie die Meinungen die Sie im Rahmen von User Centered Design erarbeiten und überprüfen Sie diese im Anschluss, um den maximalen Nutzen aus Ihren Bemühungen ziehen zu können.

Fazit

Jeder Test hat seine Daseins-Berechtigung und es macht auch Sinn einen einzelnen Test für eine spezielle Fragestellung durchzuführen. Das ganze Potential von User Centered Design werden Sie jedoch erst ausschöpfen können, wenn Tests aufeinander aufbauen.

Es gibt keine Antwort ohne eine Fragestellung und je präziser Sie eine Frage formulieren, desto präziser wird auch die Antwort ausfallen.

Interessante Links

http://www.nngroup.com/articles/why-you-only-need-to-test-with-5-users/
http://www.nngroup.com/articles/which-ux-research-methods/

Portraitfoto: Mischa Korn

Mischa Korn

Creative Director UCD/UX für sheego.de

Schwab Versand GmbH

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