Wie wird man eigentlich UX Professional?

Usability-Nachwuchs-Blog

Psychologie – Also Psychotherapie

Die Reaktionen zu der Aussage „Ich studiere Psychologie“ könnten nicht verschiedener sein. Von einem lächelnden Abnicken bis hin zu einer totalen Begeisterung, die zu langen vertiefenden Gesprächen führt.

Beitragsbild: Justin Luebke bei Unsplash

Doch beinahe jeder hat vorerst im Kopf „Ah, die will Psychotherapeutin werden“. Es sei ihnen nicht verübelt, denn in meinem Psychologiestudium habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass 80% aller Psychologiestudenten und -studentinnen im 1. Jahr Psychotherapeut*in werden wollen, um Menschen zu helfen.

Doch Psychologie ist ein breites Fachgebiet und bietet Berufschancen in vielerlei Tätigkeitsfeldern – darunter auch im Bereich User Experience (UX). Neben dem Psychologiestudium gibt es allerdings noch weitere Ausbildungs- möglichkeiten, die auf eine Tätigkeit als UX Professional vorbereiten, denn in diesem Fall führen viele Wege zum Ziel.

UX? Was ist das denn?

Die Aussage „Ich bin Praktikantin bei einer Agentur für research-basiertes UX Design“ stößt in allen Fällen auf ratlose Blicke. Vor einem Jahr noch hätte ich vermutlich ähnlich reagiert. Wie bin ich also auf UX und schließlich ein Praktikum bei eresult gekommen?

Die restlichen 20% der Psychologiestudent*innen wissen noch nicht ganz, was sie einmal werden wollen. Dazu zähle ich mich. Im Studium habe ich dann das erste Mal von so etwas wie „Human Factors“ und „UX“ gehört. Im Rahmen eines Projektes haben wir den Human Centered Design (HCD) Prozess anhand einer Kaffeemaschine durchlaufen. Besonders das strukturierte, methodenbasierte und trotzdem kreative Arbeiten hat mir gefallen. Ich hatte Spaß daran die Phasen schrittweise und iterativ zu durchlaufen, und am Ende eine bessere Kaffeemaschine entwickelt zu haben (naja, zumindest einen Prototypen). Da ich diesen Bereich der Psychologie besser kennenlernen wollte, habe ich ein Praktikum bei eresult angefangen.

Parallelen zur Psychologie

Während meines Praktikums habe ich schnell gemerkt, dass HCD nicht nur Theorie aus der Uni ist, sondern die Grundlage für die Arbeit des UX Professionals bildet. Ähnlich zur Psychologie, steht im Feld des UX Designs der Mensch bzw. der Benutzer im Vordergrund. Analysen fokussieren daher auf die Zielgruppe und ihren Nutzungskontext. Online-Befragung, Fokusgruppe, Card-Sorting etc. sind Forschungsmethoden, die auch im Psychologiestudium gelehrt werden.

Neben der empirischen Forschung und Methodik, gibt es noch weitere Parallelen zur Psychologie: In Usability-Tests muss sich der UX Professional auf die unterschiedlichsten Menschen einstellen und mit ihnen interagieren. Gekonnte Gesprächsführung ist dabei der Schlüssel. Gute Kommunikationsfähigkeit ist zudem äußerst wichtig für erfolgreiche Teamarbeit im Projekt, und schließlich auch zufriedene Kunden.

UX Design ist interdisziplinär

Zugleich zeigen sich einige Parallelen zu anderen Wissenschaften. Somit ist UX Design nicht nur ein Zweig der Psychologie, sondern ein interdisziplinäres Arbeitsfeld. UX Professionals haben, neben der Psychologie, oft einen Hintergrund in Informatik, Ingenieurwissenschaften, BWL, Medienwissenschaften oder auch Grafikdesign. Neben diesen „typischen“ Bachelor-Studiengängen, bieten einige Unis auch Bachelor-Studiengänge in den interdisziplinären Fachrichtungen an, wie bspw. Medieninformatik, Wirtschaftspsychologie oder Kommunikationsdesign. Der Bachelor-Studiengang an der TH Ingolstadt „User Experience Design“ ist der einzige seiner Art in Deutschland. Dieser Studiengang integriert die zuvor genannten Teildisziplinen im UX Design und vermittelt interdisziplinäre Kenntnisse in der Theorie sowie Praxis.

Master-Studium & Weiterbildungen

Nach dem Bachelor gibt es mehrere Möglichkeiten sich auf UX Design zu spezialisieren. Meist sind es technische Unis, die den Master-Studiengang „Human Factors“ anbieten. Dazu gehören die TU Chemnitz, TU Berlin, TU München, Uni Mainz und Hochschule Furtwangen. Ähnliche Master-studiengänge lassen sich auch unter anderen Namen finden: z. B. „Usability Engineering“ an der Hochschule Rhein-Waal oder „User Experience Design“ an der TH Ingolstadt. Auch im Ausland werden Master-studiengänge in dem Bereich angeboten, zum Beispiel in den Niederlanden bei der University of Twente: „Human factors & engineering psychology“. Zulassungsvoraussetzung für diese Master-studiengänge ist bei nahezu jeder Uni ein abgeschlossener Bachelor in Psychologie, Ingenieurwissenschaften oder einer ähnlichen Fachrichtung.

Zudem werden Weiterbildungen zum UX Professional angeboten. Das UXQB ermöglicht eine Basiszertifizierung zum „Certified Professional for Usability and User Experience – Foundation Level (CPUX-F)“ sowie drei weitere Aufbaustufen. Auch die IHK bietet eine Zertifizierung zum Usability Engineer, User Experience Manager*in und Design Thinker an. Der Kooperationspartner UXperten führt zur Vorbereitung auf die IHK-Prüfung 10-wöchige Coachings durch.

Mein Fazit bisher

Ich habe nun meinen bisherigen Weg sowie weitere Ausbildungsmöglichkeiten zum UX Professional beschrieben. In jedem Fall kann ich Schüler*innen und Student*innen empfehlen Praktika zu absolvieren. In meinem Praktikum habe ich wertvolle Einblicke in die Arbeitswelt des UX Professionals erhalten, die weit über die Inhalte von Lehrbüchern hinausgehen. Mir ist nun bewusst, dass man als Psychologiestudent*in nicht Psychotherapeut*in werden muss, um Menschen zu helfen. UX Professionals machen die Welt nutzerfreundlicher und verhindern, dass der Mensch sich am Bahnsteig über den Ticketautomaten aufregt, falsche Buchungen im Internet tätigt oder Zeit an der Kaffeemaschine verschwendet.





Anmerkung der Redaktion: Da Svenja ihr Praktikum inzwischen (aus unserer Sicht leider) bereits hinter sich hat, haben wir aktuell wieder einen Praktikumsplatz am Standort Köln zu vergeben.

Portraitfoto: Svenja Wittrock

Svenja Wittrock

Psychologie-Studentin und Praktikantin bei eresult

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