Second Screen Studie – Teil 2: Welche Apps werden parallel zum Fernsehen verwendet?

AppsDiese Frage habe ich mit Digital Natives und Early Adopter in unserem „Digital Living“ Zielgruppenblog diskutiert. Doch es ergeben sich weitere Fragestellungen:
– Bei welchen TV-Sendungen werden welche Apps genutzt?
– Welche Informationen werden in den Apps aufgerufen? Warum wird die App überhaupt genutzt?
Auch hierzu haben die 20 Teilnehmer am Zielgruppenblog sehr interessante Beiträge abgegeben, welche ich nun zusammengefasst präsentieren möchte.

Wie haben wir gemessen?

Bevor ich die Erkenntnisse bzw. die Antworten auf die Fragen vorstelle, möchte ich noch kurz auf die Erhebungsmethode eingehen. Der eResult-Zielgruppenblog fokussiert sich auf zwei besonders interessante Gruppen: Digital Natives und Early Adopter. Die Digital Natives sind zwischen 18 und 25 Jahre alt, die Early Adopter zwischen 35 und 50. Beide Gruppen sind sehr aufgeschlossen und neugierig auf neue Geräte, innovative Services und sonstige Lösungen und probieren auch sonst gern aus. Sie repräsentieren damit die Nutzer von Morgen und sind so prädestiniert für Feedback und Unterstützung in der Produktentwicklung. Je 10 Vertreter beider Gruppen stehen im Blog Rede und Antwort. Weitere Voraussetzung zur Teilnahme an der Studie ist, dass die Digital Natives und Early Adopter regelmäßig und intensiv das Smartphone bzw. Tablet als Second Screen während des Fernsehens verwenden (parallele Nutzung).

Kommen wir nun wieder zurück zur Frage des Beitrags:
Welche Apps werden parallel zum Fernsehen verwendet?

Folgende Erkenntnisse lassen sich ableiten:

Es werden sehr viele verschiedene Apps parallel zum Fernsehen genutzt. Es lässt sich aber auf 3-4 Themen zusammenfassen. Auch lässt sich feststellen, dass wenn das Fernsehprogramm spannend ist (also den Nutzer an sich bindet), werden eher Apps mit direktem Bezug zur Sendung bzw. Apps mit der über die Sendung kommuniziert wird, aufgerufen. Wird die TV-Sendung als eher langweilig eingestuft oder läuft gerade eine Werbepause, so werden Apps genutzt, die keinen bzw. nur wenig Bezug zur Sendung haben. Wie zu erwarten ist, werden bei uninteressanten TV-Inhalten häufiger Apps parallel aufgerufen, als bei spannenden Sendungen.
Folgende Intentionen zur Nutzung von Apps während des Fernsehprogramms haben sich herauskristallisiert:

  • Kommunikation mit Freunden über WhatsApp und Facebook
    Während Fernsehsendungen wird sehr häufig mit Freunden sendungsbezogen gechattet. Der Austausch wird meist via WhatsApp oder ähnlichen Apps (z. B. Threema) vollzogen. Auch die Facebook-App wird für die sendungsbezogene Kommunikation/Diskussion genutzt. Hier wird sich zu Filmen, Handlungen und Personen ausgetauscht.
    Zitat: „Tatort am Sonntag um 20:15 Uhr bei ARD: Ich nutze Facebook und WhatsApp, um mit meinen Kontakten, die auch den Tatort schauen, zu kommunizieren und den Täter bzw. die Täter zu erraten.“
    Zitat: „Generell wichtig sind natürlich Messenger-Apps (Facebook (Messenger), WhatsApp) über die ich ganz normal mit Freunden und Bekannten kommuniziere. Gern auch konkret über das was ich gerade schaue.“
  • Recherche nach Informationen zur laufenden TV-Sendung bzw. zum laufenden Film
    Die Apps von Google und Wikipedia werden während Filmen oder TV-Sendungen häufig genutzt, um sich über Schauspieler und Handlung zu informieren. Auch Apps von TV-Movie und TV-Spielfilm werden häufig aufgerufen, um sich über Inhalte, Handlungen und Schauspieler zu informieren. Verständlicherweise werden diese Apps ebenfalls verwendet, um sich über das parallel oder anschließend laufende TV-Programm zu informieren.
    Zitat: „Ich nutze Google und ich lese auch öfters bei Wikipedia nach. Da gibt es dann eine ausführliche Info über die Sendung oder den Schauspieler, die ich mal schnell nebenbei durchlesen kann.“
    Zitat: „Wenn ich Filme im TV schaue (egal ob live im Fernsehen, vom DVR oder Blu-Ray/DVD), nutze ich gern mal die App der “IMDb” (Internet Movie Database), um nähere Hintergrundinformationen zum jeweiligen Film zu erfahren.“
    Zitat: „TV-Spielfilm-App: Um zu schauen, was es wann gibt oder um zusätzliche Infos zur aktuellen Serie oder zum Film zu bekommen.“
  • Spielen, quizzen parallel zum TV
    Wenn das laufende Fernsehprogramm eher langweilig ist, wird sehr häufig auf dem Smartphone/Tablet gespielt. Bevorzugte Apps sind „Candy Crush“, „Angry Birds“, „Quizduell“ oder „Farm Heroes“. Insbesondere das „Quizzen“ mit der Quizduell-App wird sehr gern parallel zum Fernsehen genutzt.
    Zitat: „Neben dem Fernsehen (wenn es nicht gerade ein spannender Krimi ist!) nutze ich gern die App Quizduell und spiele dort.“
    Zitat: „Es gibt das Quizduell mit Jörg Pilawa. Hier nutze ich zum Mitspielen die Quizduell-App.“
    Zitat: „Candy Crush-App zum nebenbei Spielen (aber nur, wenn es langweilig im Fernsehen wird).“
  • Shopping während des TV-Abends (meist in Werbepausen)
    In Werbepausen oder wenn die laufende TV-Sendung als langweilig eingestuft wird, werden häufig Shopping-Apps aufgerufen, um ein wenig zu stöbern. Teilweise werden auch direkt Käufe vorgenommen. Am häufigsten wird die Amazon- und eBay-App genutzt.
    Zitat: „Ansonsten, wenn ich auf der Couch liege, dann starte ich auch hin und wieder die Amazon-App, um zu schauen, was ich denn wieder einmal Kaufen/Bestellen könnte.“
    Zitat: „Wenn ich einfach nur so fernsehe um abzuschalten, verkaufe ich oft nebenbei Sachen bei eBay oder Kleiderkreisel (Kleidung etc.).“
    Zitat: „Ich nutze häufig folgende Apps: eBay-Kleinanzeigen (immer für ein Schnäppchen zu haben); mobile.de-App (ich bin grad auf der Suche nach einem neuen Auto und evtl. Motorrad) und die App „MyTopDeals“ (App mit sehr günstigen Produkten [für Sparer]).“
  • Allgemeine Information zu Politik, Nachrichten und Wetter abrufen
    Gern wird sich während des Fernsehens auch allgemein zum Weltgeschehen informiert. Hier werden Apps von Spiegel Online, Bild, N24, ARD und ZDF bevorzugt. Auch über das Wetter bzw. die Wetteraussichten wird sich parallel zum TV-Programm vermehrt informiert.
    Zitat: „Ich halte nach aktuellen Nachrichten Ausschau; wofür Spiegel Online herhalten musste.“
    Zitat: „Ich verfolge gerne neben dem TV die Apps von: RTL-Now, N24, Bild Online.“
    Zitat: „Ich nutze auch gern Wetter-Apps, wenn es gerade Richtung Wochenende geht und ich gerne Wissen möchte wie das Wetter wird (wetter.com-App).
  • Abrufen von Informationen auf Basis des TV-Inhalts (via Tonerkennung)
    Einige (wenige) Digital Natives schauen sich das Fernsehprogramm an und rufen mit Hilfe von Apps wie Shazam oder SoundHound zusätzliche Informationen auf. Diese Programme erkennen anhand der Melodie bzw. des Audiosignals der TV-Sendung den Inhalt und geben daraufhin zusätzliche Informationen auf dem Smartphone/Tablet aus.
    Zitat: „Mir ist es auch schon oft passiert, dass ich in einer Sendung oder in einem Film ein interessantes Lied gehört habe, was ich dann mit SoundHound im Internet gesucht habe.“
    Zitat: „Oft läuft auch während eine Filmes Musik und ich tagge dann ganz schnell mit Shazam, wer der Interpret ist und wie das Lied heißt.“
    Zitat: „Manchmal lade ich mir Apps für Spiele runter, die im TV erscheinen oder teile irgendwas auf Facebook.“

Fazit: Apps zur Kommunikation bzw. zum Austausch mit Freunden werden am häufigsten parallel zum Fernsehen verwendet. Speziell WhatsApp und Facebook bieten eine gute Plattform sich über das aktuell laufende Fernsehprogramm auszutauschen und zu diskutieren. Das Abrufen von Informationen zum laufenden Film wird häufig über die Google- oder Wikipedia-App durchgeführt. Aber auch Apps wie TV-Movie oder TV-Spielfilm kommen hierfür zum Einsatz.
Eine sehr interessante Erkenntnis aus der aktuellen Diskussionsrunde im Zielgruppenblog ist das Thema „Spiele“. Um Zeit zu überbrücken (z. B. Werbepausen) wird gern das Smartphone/Tablet gezückt und eine Runde Candy Crush oder Quizduell gespielt.
Interessant waren auch die Statements zum Thema „Shazam“ und „SoundHound“. Das Ausspielen von Informationen auf Basis des laufenden TV-Inhalts (mittels Tonerkennung vom Audiosignal der TV-Sendung) wird meiner Meinung nach noch weiter zunehmen und sich weiterentwickeln. Diese Funktion bzw. derartige Dienste erleichtern den Zusammenschluss zwischen TV und mobilem Endgerät. Der Nutzer muss seine gesuchten Stichworte, die Internetseite oder die App nicht mehr ein-/antippen, sondern lässt das Smartphone einfach zuhören. In der Werbung hat man dieses Prinzip in wenigen Spots schon mal gesehen. VW hatte mal eine Werbung im TV geschaltet, welche mittels Shazam identifiziert werden konnte und den Nutzer anschließend automatisch zum Produkt bzw. zu weiteren Produktinformationen geführt hat. Sehr spannend in meinen Augen. Oder?
Wo sehen Sie noch Einsatzmöglichkeiten für derartige Services?

Beitragsserie zum Thema Second Screen
Im ersten Teil wird das Thema vorgestellt und die ersten Erkenntnisse aus dem Zielgruppenblog präsentiert.
https://www.usabilityblog.de/2014/07/second-screen-studie-das-fernsehen-im-wandel/

Portraitfoto: Jan Patrick Schultze

Jan Patrick Schultze

Senior UX-Consultant & Leiter IT

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 24

3 Kommentare

  • F. Baum

    Das sind anschauliche Erkenntnisse zu Second Screen, danke dafür.
    Aber wenn ich mir das Medienverhalten meiner beiden Söhne ansehe (mit 22 und 15 Jahren Digital Natives), habe ich Zweifel, ob „das Fernsehen auch in der Zukunft immer noch Freizeitbeschäftigung Nr. 1 bleiben wird“.
    Beide sehen praktisch kein „Live-Fernsehen“ mehr – und damit auch keine Fernsehwerbung. Stattdessen stellen sie sich über Web, SmartTV, Mediatheken, Streaming- und Video-On-Demand-Dienste komplett ihr eigenes Programm zusammen. Lieblingsserien und –filme sammeln sie auf DVD/BluRay.

    Parallel dazu verwenden sie ebenfalls Second-Screen-Geräte mit den von Ihnen genannten Apps. Aber da sich deren Nutzung nicht auf das laufende Fernsehprogramm bezieht, fällt das nicht unter die von Ihnen genannte Definition von „Second Screen“, richtig?
    Haben Sie auch Erkenntnisse zum Thema „eigene Programmgestaltung statt Live-Fernsehen“?

  • Hallo,
    vielen Dank für Ihren interessanten Kommentar.
    Ich denke auch das der Wunsch nach Möglichkeiten sein eigenes Fernsehprogramm zu gestalten in Zukunft stark ansteigen wird. Die (technischen) Möglichkeiten (z. B. Video on Demand über TV-Receivern, mobile Endgeräte etc.) diesbezüglich werden in Zukunft leichter und vielfältiger zur Verfügung stehen. Es wird hier sicherlich in den nächsten Jahrzenten einen Wandel geben. Wie sie es schon beschrieben haben, ist insbesondere für die sehr junge Generation (< 25 Jahre) der TV schon nicht mehr das wichtigste "Freizeitgerät". Smartphone/Tablet sind schon wichtiger als der Fernseher. Die Fernsehsender bzw. die Anbieter von TV-Inhalten müssen und werden diesen Wandel erkennen. Ja, mit Second Screen Nutzung ist das Aufrufen von sendungsbegleitenden Informationen auf einem weiteren "Screen" (neben dem TV-Gerät) gemeint. Es wird sehr spannend diesen Wandel in Zukunft zu beobachten/begleiten und zu untersuchen.

  • ich schaue auf der SeiteTV-Kino.net zur Zeit sehr oft TV unterwegs (fahre sehr viel Zug) auf Tablet oder Handy funzt es super wenn Flash installiert ist. Warte aber auch auf der Ihre App, beste TV Seite die ich kenne.
    Die haben auch eine super Anleitung wie man Flash installiert, falls noch nicht installiert.

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