Website-Konzeption – Erfolgreiche Websites planen, umsetzen und betreiben

Titel Buch Website-Konzeption Jens Jacobsen

Titel Buch Website-Konzeption Jens Jacobsen

Auch in der 7. Auflage bleibt dieses Buch das deutschsprachige Standardwerk zur Konzeption von Websites. Es behandelt ein unglaublich breites Themenfeld und schafft es gleichzeitig, dieses strukturiert und übersichtlich darzustellen. Das Inhaltsverzeichnis zeigt: Quasi alle Aspekte eines Konzeptionsprojektes werden in den vier Hauptteilen – Planung, Konzeption, Umsetzung und Betrieb – chronologisch behandelt. Darunter sind so grundlegende Themen wie „Was ist ein CMS?“, aber auch fortgeschrittene Themen wie „Agile UX“ werden angesprochen. Die Texte bleiben dabei stets einfach und interessant zu lesen, auch weil Jargon vermieden oder erklärt wird.

Das Buch richtet sich somit vor Allem an neue Konzepter und solche, die es werden wollen. Gleichzeitig ist es aber auch ein sehr ergiebiges Nachschlagewerk für Fortgeschrittene und Profis, die einen Überblick über das gesamte Gebiet brauchen und ab und zu bestimmte Themen nachschauen möchten. Für sie sind auch besonders die nach Themen gegliederten Literaturempfehlungen nützlich.

Neu: Responsive Design und Mobile First

Die größte Neuerung in der 7. Auflage ist wohl die Behandlung des weiterhin brandaktuellen Themas „Responsive Design“ sowie dem Ansatz von „Mobile First“. Der Autor erklärt einleuchtend und verständlich, warum Website-Konzeption heutzutage nicht nur auf Desktop-PCs abzielen sollte. Dabei werden auch wichtige Grundsätze diskutiert, etwa dass auch auf Smartphones alle Inhalte zur Verfügung stehen sollten, da die Nutzungssituation sehr unterschiedlich sein kann.

Mein einziger Kritikpunkt betrifft die Strukturierung und die Auffindbarkeit dieser neuen Informationen. Sie sind sehr stark verteilt – in den Kapiteln zur Informationsarchitektur, zu Seitenskizzen, zum Design und zur HTML-Umsetzung – so dass es schwer fällt, einen Überblick über das Thema zu gewinnen. Zwar gibt es vereinzelte Querverweise, jedoch keinen Ort, an dem auf alle entsprechenden Textstellen verwiesen wird. Auch im Inhaltsverzeichnis tauchen die neuen Teile nicht auf, da sie zu tief in Unterkapiteln versteckt sind.

Weiterhin: Fokus auf Usability in allen Projektphasen

Positiv fiel mir schon in der Vergangenheit besonders auf, wie stark der Fokus des Buchs auf der Usability liegt. Der Autor zeigt, wie man es richtig macht – Zielgruppenorientierung und die Benutzerfreundlichkeit werden an den verschiedensten Stellen angesprochen und ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Zu Usability-Tests und anderen UX-Methoden gibt es sogar ein eigenes Kapitel, welches einen sehr guten Startpunkt für die eigene Durchführung bildet.

Einzig die Wichtigkeit von vorangehendem User Research wird aus meiner Sicht etwas heruntergespielt – Personas sind toll, aber ohne Fundierung durch qualitative und/oder quantitative Daten nur Spekulation und meist wenig überzeugend für Stakeholder. Komplexere Anforderungsanalysen etwa durch ethnografische Forschung und Methoden wie Contextual Inquiery sind sicherlich nur für größere Projekte relevant, könnten aber zumindest erwähnt werden.

Und einen fachlichen Kritikpunkt habe ich dann doch noch: Der „Sieben plus/minus zwei“ Regel wird ein eigenes Kapitel gewidmet, obwohl sich diese nur auf das Kurzzeitgedächtnis bezieht. Auf einer Website sind die Navigationsoptionen aber stets sichtbar, so dass die Regeln in diesem Kontext keine Relevanz besitzt. Dies wird immer wieder von vielen Experten und auch dem Autor des Original-Papers betont.

Fazit: Referenzwerk zum Einstieg und Nachschlagen

Trotz kleiner Kritikpunkte: „Website-Konzeption“ bleibt ein fantastisches Buch für Anfänger und Fortgeschrittene, das mit seiner Themenvielfalt zu begeistern weiß. Es versucht nicht, jedes Thema bis ins kleinste Detail zu behandeln, und das ist auch gut so. Stattdessen gibt es einen Einstieg und Überblick und dazu viele weiterführende Literaturtipps, auch auf der Website zum Buch: www.benutzerfreun.de

Für mich ist es so etwas wie das deutsche „Information Architecture for the World Wide Web“ von Rosenfeld und Morville – umfassend und fundiert, aber gleichzeitig leicht zu lesen, und somit ein perfektes Referenzwerk, das jeder im Bücherschrank stehen haben sollte.

Portraitfoto: Jan Pohlmann

Jan Pohlmann

UX Designer

BMW AG

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