User Feedback Days: Den regelmäßigen Kontakt mit den Nutzern schaffen

Usability-Tests sind eine tolle Methode, schnell qualitatives Feedback zu einem Konzept oder dem Produkt selbst zu bekommen. Man muss nicht viele Nutzer dabei befragen, im Regelfall reichen 5 Probanden um 80 % der Usability-Fehler zu finden. Das schafft man an einem Tag!
Jedoch werden Usability-Tests viel seltener durchgeführt, als man trotz der Vorteile annehmen könnte. Häufig scheitert es dabei nicht an dem einen Testtag, sondern schlichtweg an der Organisation die einen solcher Testtag mit sich bringt. Es müssen Probanden rekrutiert werden, das Team muss einen Testgegenstand bereitstellen, es muss ein Interviewleitfaden geschrieben werden und danach müssen die Tests auch ausgewertet werden. Viele Dinge an die man denken muss für „einen kleinen Test“.

Regelmäßigkeit schafft Effizienz

Ein zugängliches und zuverlässiges Panel ist das A und O für erfolgreiche UFDs.

Die größte Hürde ist häufig die Rekrutierung der Probanden. Um schnelle Testorganisation realisieren zu können, sollte ein Panel an Probanden aufgebaut werden oder auf dieses zugegriffen werden können. Hat man einen Pool von Personen die sich dazu bereit erklärt haben an Studien teilzunehmen, ist das schon die halbe Miete um einen Usability-Test durchführen zu können. Hier empfiehlt sich, die Probanden auf ihre Zuverlässigkeit zu bewerten. Hat man z. B. einen Probanden der wiederholt zu spät kommt, sollte dieser nicht mehr eingeladen werden. Dies sorgt am Testtag für einen reibungslosen Ablauf. Dennoch braucht eine ordentliche Rekrutierung immer etwas Vorlaufzeit, dann kann sichergestellt werden, dass auch alle Rekrutierungskriterien erfüllt werden. Das bedeutet, dass man die „richtigen“ Nutzer – also die, die das Produkt auch real nutzen oder nutzen würden, einlädt. Dies ist einer der vielen Argumente die für einen User Feedback Day sprechen.

Einen User Feedback Day zu etablieren bedeutet, dass man sich regelmäßig einen Tag vornimmt an dem Usability-Tests durchgeführt werden. Dieser Tag kann immer der erste Donnerstag im Monat sein oder am Dienstag jedes zweiten Sprints (siehe auch UX im agilen Alltag), wichtig ist, dass man diesen Tag frühzeitig bestimmt und dabeibleibt. Dadurch besteht eine große Planbarkeit. Die Rekrutierung kann rechtzeitig gestartet werden. Bleibt es bei einem Produkt und die Zielgruppe ist immer dieselbe, muss die Rekrutierung zudem nur initial eingewiesen werden. Hierdurch spart man viel Zeit.

Tests mit Papier Prototypen sind auch möglich.

Doch nicht nur die Rekrutierung kann sich auf die Regelmäßigkeit einstellen. Auch das Entwicklungsteam, weiß um den immer wieder anstehenden Testtag und kann entsprechend einen Testgegenstand vorbereiten. Ist es ein Test im Labor, können auch grobe Konzeptzeichnungen (Low-Fidelity Prototypen) verwendet werden, um ein frühes Feedback des Nutzers zu erhalten. Der User Feedback Day kann natürlich auch remote durchgeführt werden, jedoch sollte dieser in jeden Fall synchron und moderiert stattfinden, da man bei unmoderierten Varianten den Probanden immer mehr Zeit zur Bearbeitung lassen muss.

Letztlich geht auch die Leitfaden-Erstellung schneller, da auch hier die Routine dafür sorgt, dass man sich nicht neu in das Thema hineindenken muss und ggf. auch Fragen und Aufbau aus vorangegangen Tests übernehmen kann.

Durch die regelmäßige Wiederholung werden die Abläufe routiniert und dadurch wird der Test effizienter.


UX Tests werden zum Teamsport

Der viel größere Vorteil neben der Effizienz besteht jedoch darin, dass man sich selbst zum regelmäßigen Testen diszipliniert. Da der Test fest geplant ist, zieht man ihn durch, auch wenn man ggf. im Entwicklungsalltag nicht an einen Test gedacht hat. Manchmal fällt es vielleicht schwer ein Testthema zu finden, jedoch gibt es immer etwas zu testen. Selbst wenn man den User Feedback Day dazu nutzt, die Live-Seite zu evaluieren und Fehler aufzudecken. Man kann auch Tiefeninterviews anstelle von Usability-Tests durchführt, um seine Nutzergruppe besser kennen zulernen. In jedem Fall geht man damit immer einen weiteren Schritt Richtung nutzerzentrierter Produktgestaltung.

Mehr Nachfrage durch mehr Involvierung schaffen.

Involviert man zudem das Entwicklungsteam in den Tests, also lässt diese als Beobachter dem Test bewohnen, z. B. in dem sie sich frühzeitig in eine Beobachterliste eintragen und sich diese daher den Testslot zeitlich freihalten, schafft man auch im Entwicklungsteam ein größeres Verständnis für den Nutzer und damit User Experience. Dadurch entsteht automatische eine größere Nachfrage für die folgenden Tests, da die Methode und die Findings besser verstanden werden.

Ein weiter Vorteil besteht darin, dass Iterationen leichter getestet werden können. Setzt man also Feedback aus einem Test um, muss man nicht neues Budget oder Zeit für eine weitere Evaluation einplanen, sondern kann den bereits eingetakteten Test nutzen, um die Änderung zu evaluieren.

Den User Feedback Day als Gesamt-Strategie nutzen

Ziel ist es letztlich, dass der Nutzer als Stakeholder angesehen wird, wie es auch bei Marketing, Data Analytics usw. der Fall ist. Mit diesen Abteilungen oder Mitarbeitern führt man häufig auch regelmäßige Meetings durch, um sich über den neusten Stand der Dinge zu informieren. Warum sollte man sich daher nicht auch regelmäßig mit dem Nutzer treffen?

User Research und Testing sollte eine Gewohnheit werden und nichts Besonderes sein. Es sollte nichts sein, was man immer nur dann macht, wenn ein neues Feature abgenommen werden muss. Der User Feedback Day kann als feste Instanz in den normalen Entwicklungsprozess integriert und mit anderen Methoden kombiniert werden. (Mehr zu einem kontinuierlichen Research Prozess) Dadurch schafft man es den Nutzer als festen Stakeholder im Team zu etablieren, diszipliniert sich selbst regelmäßig zu testen und schafft durch die Routine eine effiziente Testing-Infrastruktur.

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