Kennzeichnung von Pflichtfeldern in Formularen: Wann man auf den * verzichten kann

Beispiel Pflichtfeldkennzeichnung
Beispiel Pflichtfeldkennzeichnung

Jeder kennt sie, die wie auch immer gearteten Formulare zur Eingabe persönlicher Daten oder anderer Angaben. Was auch immer man im Internet bestellen möchte, wo auch immer man sich registrieren möchte, man kommt um das Ausfüllen von Formularen kaum herum. Um das Formular möglichst schnell auszufüllen, schauen viele Nutzer genau hin, welche Felder unbedingt notwendig sind und welche nicht. So auch unsere Erfahrungen aus vielen Nutzertests mit typischen Usern.
Aus Sicht von Shopbetreibern ist dieses Thema unter anderem deswegen so wichtig, da kaum ein Bestellprozess ohne Formulare auskommt und der Nutzer hier natürlich bestmöglich unterstützt werden sollte, um Abbrüche zu vermeiden.

Im Rahmen unserer Studie zum Thema „seniorenfreundliche Websitegestaltung“ konnten wir auch einmal Senioren beim Ausfüllen solcher Formulare beobachten. Es zeigte sich, dass es deutliche Unterschiede zu jüngeren Nutzern gibt. Diese möchte ich am Beispiel des Online-Banking Angebotes der Deutschen Bank (einer der Untersuchungsgegenstände in genannter Studie) einmal erläutern.

Zum einen ist das berühmte Sternchen zur Kennzeichnung von Pflichtfeldern für ältere Nutzer mit geringer Online-Shopping-Erfahrung längst nicht so selbstverständlich gelernt. Oft wurde es ignoriert und erst einmal alle vorhandenen Felder im Formular ausgefüllt. Das lag zum Teil auch daran, dass die Legende für die Sterne nur schwer aufzufinden war. So kam es vor, dass die Testpersonen versuchten Felder auszufüllen, die jedoch nur von einer ganz bestimmten Nutzergruppe zu befüllen sind und deshalb auch keine Pflichtfelder waren. Da dies den Testpersonen jedoch nicht klar war, kam es zu Irritation und Problemen, den Prozess überhaupt fortzusetzen.
Zum anderen konnten wir feststellen, dass die Benennungen der Felder sehr gründlich gelesen wurden und somit auch verbale Hinweise wie „freiwillige Angabe“ oder „optional“ viel besser verstanden wurden. Das folgende Beispiel zeigt daher eine gute Alternative zur Kennzeichnung von Pflichtfeldern: die Kennzeichnung von Nicht-Pflichtfeldern.

Formular der Banking-Oberflächen der Deutschen Bank
Formular der Banking-Oberflächen der Deutschen Bank


Dies ist hier gerade deshalb angebracht, weil es ohnehin mehr Pflichtfelder als freiwillige Angaben gibt. Nicht nur beim Online-Banking sollte daher die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, auf die Kennzeichnung von Pflichtfeldern zu verzichten, wenn diese ohnehin die große Mehrheit des Formulars darstellen. Gibt es dagegen nur wenige Pflichtfelder und viele freiwillige Angaben, kann die Kennzeichnung mit Sternen genutzt werden, wenn eine gut sichtbare Legende integriert wird. Dies hilft nicht nur älteren Nutzern, Formulare schnell und einfach ausfüllen zu können.
Weitere Studienergebnisse werden im Seminar zu Studie „seniorenfreundliche Websitegestaltung“ vermittelt.

Zum Schluss auch einmal ein Beispiel, wie man es eher nicht machen sollte: Entgegen des allgemeinen Standards werden hier freiwillige Felder mit Sternen versehen. Damit werden Eingabefehler provoziert, die beim Nutzer zu Verärgerung führen können.

Otto.de
Lob & Kritik Formular auf Otto.de

Wie ist Ihre Meinung zur Pflichtfeld-Thematik? In welchem Zusammenhang bzw. in welchem Kontext finden Sie die Kennzeichnung von Pflichtfeldern überflüssig? Kennen Sie eventuell noch gute alternative Lösungen?

11 Gedanken zu „Kennzeichnung von Pflichtfeldern in Formularen: Wann man auf den * verzichten kann

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  3. frank

    Sie schreiben, man solle „die Möglichkeit in Betracht“ ziehen, „ auf die Kennzeichnung von Pflichtfeldern zu verzichten, wenn diese ohnehin die große Mehrheit des Formulars“ darstellt.

    Mmh… ich möchte es mal so formulieren:

    Im Prinzip ist es völlig egal – solange die Kommunikation „Was zu tun ist“ eindeutig ist.

    Ich als erfahrender Surfer und Online-Shopper habe mich allerdings an die *Sternchen-Kennzeichnung gewöhnt und bin dann meist kurz verwirrt und teilweise auch etwas abgeschreckt, wenn über dem Formular dann steht, dass alle Felder Pflichtfelder sind.

    Dem konkreten Beispiel von Otto stimme ich zu – so sollte man es auf gar keinen Fall machen.

    Andererseits würde ich Otto auch wiederum als Vorreiter nennen, wie man es denn wirklich gut machen kann. Wenn man dort nämlich die Adressfelder im Warenkorb ausfüllt, erscheint bei „Klick“ in das Eingabefeld jeweils rechts daneben ein eindeutiger auffälliger Hinweis was zu tun ist – z.B. „Vorname. Pflichtfeld. Die Eingabe ist für die weitere Bearbeitung erforderlich“. Aktion – Reaktion, finde ich sehr schön umgesetzt. Beim Kontaktformulars war dann wohl kein Geld mehr für die Umsetzung analog des Warenkorbes übrig … 😉

    Ein Mix aus einer eindeutigen Headline oberhalb des Formulars „Alle mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder“ und zusätzliche Erläuterungen, ähnlich wie Otto, würden das Eingeben für Senioren erleichtern und auch der Erwartungshaltung von erfahrenen User entsprechen.

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  4. Elske Ludewig

    Hallo Frank, vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Ich gebe Ihnen völlig recht, im Bestellprozess ist Otto bei diesem Theam vorbildlich. Umso verwunderlicher, dass es da diesen „Ausrutscher“ gibt.
    Meiner Meinung nach haben sich mit der Zeit gewisse Standards/ Erwartungshaltungen etabliert, die man auch nicht verletzen sollte. Das heißt nicht, dass man immer alles so machen sollte wie die anderen, aber man sollte dem Nutzer auch nicht unnötig Steine in den Weg legen, wie beim Thema Formulargestaltung.

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  5. Arthur

    Ich gebe Frank in dem Punkt auf jeden Fall recht, dass es bei routinierten Internet- (Formular-?) Nutzern durchaus verwirrend sein kann, die nicht mit * versehenen Felder als Pflichtfelder zu empfinden. Da würden doch durchaus Erwartungshaltungen verletzt was nicht im Usability-Sinn ist.

    Wieso jedoch nicht den Vorschlag mit dem Zusatz ‚optional‘ für ebensolche Felder übernehmen?

    Ich muss gestehen, dass ich mir noch nie Gedanken über ein Szenario gemacht habe wie mit den Senioren-Probanten oben geschildert. Bei Banken oder sonstigen teilweise recht differenzierten Formularen kann da schon mal jemand nicht wissen, wie er denn jetzt weitermachen soll, wenn er auf ein für ihn eigentlich nicht relevantes Feld stößt und denkt, er müsse es ausfüllen.

    In so fern: danke für diese Sensibilisierung!

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  8. Oliver Jacobs

    Als Kunde sollte man sich die Frage stellen, was Firmen mit den optionalen Angaben ihrer Kunden machen. Ein misstrauischer Mensch könnte denken, dass die Daten verkauft weden, wenn man das „Häkchen“ an der entsprechenden Klausel übersieht…
    Meiner Ansicht nach, sollten sich die Verantwortlichen genau überlegen, welche Angaben wirklich benötigt werden und nur diese abfragen. Damit würde die beschriebene Problematik erst gar nicht auftreten und der Registrierungsvorgang beschleunigt.
    Mitteilungsbedürftigen kann man dann immer noch die Möglichkeit bieten, dass dieser ihr Profil später vervollständigen.

    Letztendlich muss sich aber jeder selbst fragen, ob er wirklich Email-Adresse, Webseite, Telefonnummer, Mobilnummer, Faxnummer und Adresse angeben muss, um sich auf einer Webseite zu registrieren.

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  9. Mirjam van Heek

    Ein sehr gutes Buch zu dieser Thematik hat Luke Wroblewski geschrieben. Ich kann es wirklich sehr empfehlen:
    http://www.lukew.com/resources/web_form_design.asp

    Seine Meinung nach ausgiebigstem Testen: User gehen sowieso davon aus, dass sie alle Felder ausfüllen müssen – also ist es eher logisch, alle optionalen Felder mit einem grau unterlegten „optional“ zu kennzeichnen.
    Dies ist aber im Zusammenhang zu sehen… (u.a. nach Möglichkeit sowenig Felder wie möglich schalten etc…) siehe Buch 😉

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  10. Pingback: Themen im November 2009: Hotel-Websites, Navigation im Web, Formulargestaltung und Leseverhalten | usabilityblog.de

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